Die heutige Suche nach einem Ausflugsziel führt mich nach Faial da Terra. Die Anfahrt bringt mich vorbei an Furnas und dann noch ein Stück weiter wieder zurück an die Küste. Der Ausblick von der Straße nach unten auf den Ort ist gigantisch. Wie so oft kommt dann aber das Wetter von der Seite mit einer Blutgrätsche angeflogen und schiebt mir dichte Wolken vor die Linse.

Tatsächlich waren die ersten drei Stunden der Wanderung wirklich unspektakulär. Ich war auf der Strecke komplett alleine unterwegs und es ist absolut nichts Besonderes passiert, wovon ich eine Geschichte erzählen könnte. Ich musste wieder mit vielen steilen und rutschigen Passagen kämpfen. Mittlerweile habe ich das als den Normalzustand akzeptiert. Meine Muskeln fangen heute schon früh an zu schmerzen. Die letzten Tage haben ihre Spuren hinterlassen.


Immerhin verziehen sich die Wolken irgendwann. Nach einem der unzähligen Anstiege stehe ich plötzlich auf einem gepflasterten Weg. Ein kleines schwarzes Kätzchen kommt mir langsam und gemütlich mit hoch erhobenem Schwanz entgegen gelaufen. Es schnurrt und lässt sich erstmal ausgiebig knuddeln. Dann habe ich Wegbegleiter. Als ich aufstehe und weiterlaufe, folgt mir der kleine schwarze Tiger, bis ich vor einer kleinen Bar ankomme. Das Kätzchen gehört offenbar dazu. Ich bin in einem kleinen, verschlafenen Nest angekommen. Sanguinho – das Geisterdorf. Die Orte auf der Insel haben oft sehr mysteriöse Namen. Geisterhaft kommt mir hier allerdings nichts vor. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und der Barbesitzer spricht mich direkt auf Deutsch an. Ich trage eine Eintracht-Kappe. Der Mann ist selbst Frankfurter, aber bereits 1986 auf die Azoren ausgewandert. Er tischt mir eine Tagessuppe auf und wir quatschen über Frankfurt und das Reisen. Die Suppe ist eine Yams-Suppe. Ein Knollengewächs, das man hier überall am Wegesrand findet. Erinnert mich geschmacklich an irgendwas zwischen Kartoffel und Süßkartoffel Sehr lecker auf jeden Fall.



Der direkte Weg von Faial da Terra in das Geisterdorf sind vielleicht 30 Minuten. Dementsprechend ist hier auch wieder ein reger Betrieb und diverse Wandergruppen kommen an der Bar vorbei. Ratet mal, wohin der Weg führen wird. Nach meiner Stärkung mache ich mich wieder auf den Weg. Es geht zurück in den Wald. Plötzlich höre ich einen Hahn krähen. Bin ich etwa schon in der nächsten Ortschaft? Falsch. Hier leben tatsächlich wilde Hühner im Wald. Hab ich so noch nie gesehen. Ein Hahn steht direkt vor mir, guckt mich neugierig an und versperrt mir den Weg. Weiß das Tier etwa nicht, dass es sich in Lebensgefahr befindet? 🙂 Auf dem weiteren Weg sehe ich immer wieder rechts und links Hühner in den Büschen und am Wegrand.





Das ist auf jeden Fall mal eine neue Art der Attraktion. Kommen die ganzen Wanderer etwa wegen der Hühner hierher? Nein. Ihr habt natürlich richtig geraten. Die Menschen stapeln sich am Ende der Route vor einem Wasserfall. Ich bin mir unsicher, was zuerst da war. Wurden die Wasserfälle an die Wege gebaut oder die Wege zu den Wasserfällen?

Mir tun jedenfalls schon eine ganze Weile die Beine weh und so mache ich mich nach einem schnellen Foto wieder auf den Rückweg. Der führt unterhalb des Geisterdorfes, entlang des Flusses, wieder zurück nach Faial da Terra.



Die Azoren sind wirklich eine Reise wert. Wenn ich noch könnte würde ich auch dahin wollen. Hast du den legendären Eintopf schon probiert? Ich glaube allerdings,wer nichts für Natur übrig fühlen sich nicht so wohl. Zum entspannen sicher perfekt. Du kannst uns ja bald erzählen.
Das sind sehr schöne Hühner. Ich denke dass hat damit zu tun, weil sie so frei rumlaufen dürfen. Du hast nicht zufällig ein paar Eier gefunden?