Das Fenster zur Hölle

In meiner Unterkunft liegt eine Mappe mit ein paar Empfehlungen für Wanderungen in der Nähe. Also mache ich heute keine Experimente mit Komoot und begebe mich direkt an den Startpunkt einer offiziellen Wanderung zum Janela do Inferno. Ich hab auch nicht wirklich Bock, mich heute mit einer App zu verlaufen. Der Himmel ist grau, es nieselt und der Wind bläst mit 30 Knoten. Es fröstelt mich etwas und es dauert eine Weile, bis mir durch das Laufen warm wird. Der Weg lässt sich aber gut laufen und die Route ist perfekt beschildert.

6,4 km bis zum Fenster in die Hölle

Der Weg führt mich entlang an grünen Feldern, auf denen Kühe grasen. Es geht bergauf. Vor mir verschwindet die Landschaft in dichten Regenwolken. Oder ist das der Qualm, der aus der Hölle emporsteigt? Dann wird’s wenigstens bald warm.

grün in grau

Irgendwann laufe ich direkt über eine Wiese und dann in eine Senke. Plötzlich stehe ich vor einem Tunneleingang.

Das Portal in die Hölle?

Ich muss mich bücken, um einzutreten. Der Tunnel ist nicht höher als 1,40 Meter. In der Ferne kann ich hinter einer Biegung den Ausgang erahnen. Geduckt und im Schein meiner Taschenlampe gehe ich langsam vorwärts.

Tunnelblick

Als ich durch den Ausgang wieder ans Tageslicht trete, befinde ich mich in einer anderen Welt. Eben noch auf grünen Wiesen und im nächsten Moment tief in einem dichten Wald. Als wäre ich durch einen Dimensionstunnel gekrochen.

Dimensionssprung

Ich bin mir sicher, dass das ein cooles Erlebnis ist, wenn das tatsächlich so passiert. In Wirklichkeit hatte ich aber keine Lust, schon wieder mit nassen Füßen zu wandern, und habe mir einen Weg außenrum gesucht. Kein Dimensionssprung ohne Gummistiefel. Der Weg in die Hölle führt eben über den Styx.

Ist das der Styx?

Der Regen hat durch das dichte Blätterdach kaum ein Durchkommen. Es tröpfelt hier nur noch ein wenig aus den Bäumen. Auch von den 30 Knoten Wind merke ich nichts mehr. Es wird angenehm warm. Ich laufe weiter durch ein Tal auf matschigen Pfaden. Hin und wieder führen Steinstufen einen Hang hinauf. Ohne die wäre auf dem rutschigen Boden kein Fortkommen möglich.

mikro Wasserfall

Erst höre ich das Wasser leise plätschern, dann sehe ich es. Das Fenster zur Hölle. Weniger spektakulär, als es klingt, aber dennoch ein schönes Bild. Ich mache ein paar Minuten Pause, denn wo ein Wasserfall ist, da sind auch Menschen, die ganz viele Fotos von sich vor dem Wasserfall machen. Außer dem einen Pärchen ist allerdings niemand dort. Nachdem die beiden weitergelaufen sind, habe ich den Ort für mich alleine. Ich kann nun ungestört durch das Fenster blicken. Was ich dort sehe, behalte ich aber für mich.

Janela do Inferno

Auf sagen wir mal „interessanten“ Wegen werde ich weiter durch das Tal geleitet. Es kostet mich ein wenig Überwindung, diese Brücke mit dem wackeligen Geländer zu überqueren. Das scheint hier allerdings nichts Ungewöhnliches zu sein.

ein Balanceakt

Ein wenig schade finde ich es, als ich dann plötzlich wieder vor einem Portal stehe.

Portal zurück

Ein paar Meter später befinde ich mich wieder in der Wirklichkeit mit Regen, Wind und Kälte. Ich gehe einen Schritt schneller, denn auch der Hunger stellt sich langsam ein. Der nächste Ort hat einen kleinen Supermarkt. Dort bekomme ich ein belegtes Sandwich, das mir hilft, die Wartezeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Die Sonne mag sich auch für den Rest des Tages nicht mehr blicken lassen. Den restlichen Tag verbringe ich daher vor dem Laptop und fange damit an, den Blog einzurichten.

Pisswetter

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